Lebendige Erinnerungskultur

Diese Veranstaltung entfällt wegen des russischen Angriffs auf die Ukraine und wird zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt. Durch Hitlers Euthanasiebefehl im Schloss Hartheim ermordet. Wie ein halbes Leben in Pflegeanstalten das Schicksal einer Handwerkerfamilie tragisch veränderte.

Offener Arbeitskreis Familiengeschichtsforschung

Di 08.03.2022, 18.00 Uhr
Individueller Onlinezugang

Gedenktafel © Karl-Heinz Fietta

Der 1870 in Oberfranken geborene Flaschner ging nach seiner Lehre drei Jahre auf Wanderschaft und diente danach 4 Jahre beim Militär. 1894 nach Erhalt seines Meisterbriefs, eröffnete er zuhause einen Spengler-Betrieb mit Ladengeschäft und heiratete 1895. Wegen einer psychischen Erkrankung wurde der Flaschner im November 1906 zwangsweise in die Heil- und Pflegeanstalt (HuPflA) Bayreuth verbracht.
Seine Frau stand nun mit vier Kindern von heute auf morgen ohne Ernährer da. Sie verdingte sich als Dienstmagd bei einem Bauern. Von dessen 23-jährigen Stiefsohn wurde sie geschwängert und brachte 1914 mit 43 Jahren noch eine Tochter zur Welt.
Diese Tochter wurde ihrem Mann formell als dessen Kind zugeschrieben, obwohl dieser ohne Unterbrechung in der HuPflA Bayreuth war. Er musste aus der HuPflA heraus die ‚Ehelichkeit‘ des Kindes anfechten.
Infolge des 1939 durch Hitler erlassenen Euthanasiebefehls wurde auch der Flaschner in die Heil- und Pflegeanstalten Kutzenberg und Gremsdorf verlegt. 1941 wurde er nach Kutzenberg zurückverlegt, um am 17.6.1941 in die Tötungsanstalt Schloss Hartheim bei Linz abtransportiert zu werden. Schon am 1.7.1941 wurde er als verstorben gemeldet. Tatsächlich wurden die in Hartheim ankommenden Menschen schon am nächsten Tag vergast und verbrannt. So geschahen dort zwischen 1940 und 1944 ca. dreißigtausend Morde.
Die 1914 nichtehelich geborene Tochter heiratete 1939 in Nürnberg und hatte 1945 während des 2. Weltkrieges Angst in Nürnberg mit ihren beiden Kindern (Sohn und Tochter) bei einem Bombenangriff ums Leben zu kommen. Sie verließ
deshalb Anfang 1945 Nürnberg und hoffte auf dem Land in Oberfranken den Krieg zu überleben.Nach der Besetzung ihres Heimatortes am 15. April 1945 durch die Amerikaner, starteten Reste der deutschen Wehrmacht einen sinnlosen Gegenangriff auf den von den Amerikanern bereits besetzten Ort. Dabei wurde diese Tochter mit ihrem fast einjährigen Sohn im Arm tödlich getroffen. Ihr damals achtjähriges Mädchen überlebte und wohnt heute, hochbetagt im Bundesstaat Texas, USA.

Referent

Karl-Heinz Fietta

Kosten

Eintritt frei, Spenden erbeten

Anmeldung

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Meeting-ID: 854 6573 6240
Kenncode: 384776

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